"Streetpunk"-Festival
21.04.01, Gütersloh - Weberei

"Kühe, Schweine, Gütersloh!". So hieß das früher immer. Dieses Dorf liegt zum Glück nicht direkt umme Ecke, als geflegter Düsseldorfer Oimel musste man gute 150km gen Norden fahren. Dort angekommen, war der grosse Laden noch nicht sehr voll, als die SOUL BOYS aus Hamburg-City anfingen. Nicht schlecht, aber auch nichts Grosses. EVIL CONDUCT aus Holland waren da schon eine ganz andere Hausnummer, die alten Käseschnitten boten sehr authentischen Britain-Oi! der allerbesten Sorte. Der zugeknallte Sänger sprach sogar Cockney. Aber bei dem alten Mann kam das noch nicht mal peinlich rüber. Diese smart gekleidete Band hatte gut vorgelegt. Was war danach??? Ach ja, RADIO 69 aus Schweden, die junge Band hört sich auf Platte wie frühe MURPHYS an, enttäuschte live aber ein wenig. Die haben jetzt 'nen neuen Sänger, der zwar voll dem Skinhead-Klischee entspricht, aber nicht besonders gut singt. Nachdem wir nun mit DISCIPLINE gerechnet hatten, waren wir erstmal inne Pizzeria marschiert. Nach 'ner guten Stunde sind wir dann wieder inna Weberei eingetroffen, und VIER PROMILLE aus Düsseldorf waren bereits voll dabei. Seit gut 10 Minuten. Macht doch nichts, denn Hits wie "Im nächsten Leben" oder das grandiose "Ich werd' mich ändern" folgten erst zum Schluss. Mittendrin gabt's immer mal wieder einen von diesen britisch-like Pop-Oi! Songs, die dann von Sängerin Melly vorgetragen werden. 600-700 Leute gingen dazu gut ab, das COCK SPARRER-Cover "Watch Your Back" war mir allerdings viel zu schnell gespielt. Verhunzt. Nach endlosen Zugaben wurde dann auch der längste Gig des Abends beendet. Matchsieger. DISCIPLINE han' ich ja schon 100mal gesehen, was sollte denn heute schon schiefgehen? Der Raum war deutlich leerer, als Joost & Kameraden fast 60 Minuten Streetcore zum Besten gaben. Skinhead-Pogo. Weit nach 12 durften dann LOIKAEMIE die undankbare Aufgabe des Rauswerfers übernehmen, der Laden war aber zu dieser Uhrzeit noch ziemlich gut gefüllt. Es gab ein Poutpurri der zwei Alben, wobei die indizierten Songs instrumental dargeboten wurden. LOIKAEMIE machen böse Musik, da ist nichts mit Kirmes-Singalongs wie etwa bei VIER PROMILLE. Die Ostler legen, passend zu den harten Lyrics, ein ernsthaftes Auftreten an den Tag. Glücklicherweise haben diese Jungs als einer der wenigen deutschen Oi-Acts den Arsch inner Hose, klar Stellung zu beziehen. Politisch gesehen. Lobenswert. Nun war der Abend aber fast zu Ende, und das Klischee-Publikum (die üblichen Dumpf-Prolls inbegriffen) ging nach Hause. (nico)