Punk & Disorderly-Festival
07.12.02, Berlin - Casino

Berlin, Berlin. Anfänglich war geplant, alle drei Tage beim Punk & Disorderly zu verweilen, was aber im Endefekt gekappt wurde. Zu teuer der Eintritt für das mittelmässige Line-Up. Alleine der Samstag schien interessant. Freitags hätten mich LOIKAEMIE und TROOPERS gereizt, wobei beide Bands ja desöfteren zu sehen sind. SHAM 69 hatten standesgemäß abgesagt, EXPLOITED find ich nicht so doll und BLOOD OR WHISKEY, FBI oder REAZIONE brauch ich in diesem Zusammenhang auch nicht. Also, früh morgens aufgemacht am Saturday um bei Minus 10 Grad dann nachmittags zu viert im Doppelzimmer einzuchecken. Nettes Hotel. Die ersten Kanonen wurde geöffnet und schon bald erreichte man das Casino - eine ganz korrekte 2000er Halle, die normal für Techno-Parties hinhalten muß. HARDSELL aus Holland waren an der Reihe, durchschnittlicher Euro-Streetcore eben. Als zweite Band vielleicht nicht ganz verkehrt. Danach zauberen auch schon RED ALERT, wobei deren Sänger die Lämpchen schon ganz gut am Glühen hatte. Okayes Set mit einigen coolen Hits, aber auch viel Mittelmaß-Material. Das Bier lief rein - die hatten da ja schließlich auch genügend Thekenkräfte. 4 PROMILLE bauten ganz fix um, und nutzten so die 45 Minuten optimal aus. "Fortuna ist der beste Club der Welt". Jawohl. Die Herren und das Mädel haben mir sehr gut gefallen, immerhin kommen sie aus meiner Heimatstadt, welche man mit Hits wie "Oiropa", "Ich werd mich ändern" oder "Die Jungs von nebenan" auch würdig vertreten konnte. Passte genau zu meiner bierseligen Stimmung. Nach 'nem kurzen Tankstellenbesuch waren DUANE PETERS und die Hunnen schon auffer Bühne, ganz okaye Show, nur irgendwie passt diese ganze Tittenaction der Frau Parks nicht zur Mucke und der Attitude von den Hunnen. Komisches Bild. Und live hört sich jeder Song leider stark ähnlich an. Nicht so bei den KASSIERERN, die mal wieder großartig vom Mob aufgenommen worden sind. Für mich nichts Neues, daher auch nicht dermaßen interessant. Nächste Woche dann im Hof sowieso. Auf LAST RESORT war ich sehr gespannt, und spannend war diese Angelegenheit auf jeden Fall. Original-Sänger Roi Pierce war mit dabei, und der sah aus, meine Freunde! Unterhemd, zugeknallt an beiden Armen, komische Brille und Haare bis zum Arsch. Guildo Horn des Oi!'s! Und das als Shouter einer DER legendären Skinhead-Bands mit dieser Frisur. Anyway, Haare abschneiden wär ja wohl noch lächerlicher gewesen, nichts destotrotz gab's ne Menge ungläubiger Gesichter bei unseren kurzhaarigen Freunden. Und Bierbecher flogen auch. Doch nach dem ersten Song "King Of The Jungle", der gut reinknallte, dominierte der Pogo, soviel sollte selbst bei BUSINESS nicht mehr abgehen. Roi Pierce war ja auch für kurze Zeit bei den 4 SKINS aktiv, was die Band dazu antrieb, Klassiker wie "Acab", "Sorry" oder "Chaos" anzustimmen. Haben viele nicht verstanden, doch die Stimmung sollte es noch zusätzlich anheizen. Ich fand das Set sehr beeindruckend, dieser Langhaar-Asi hatte verdammt viel Punch, und jeder, der die besten LAST RESORT- und 4 SKINS-Tracks kennt, kann sich vorstellen, dass da fast Hit after Hit aus den Boxen dröhnte. Wie man nun zu Roi Pierce stehen soll, ist jedem selber überlassen, aber asi ist der Kerl auf alle Fälle immer noch. Soweit ich weiß, geht der alte Mann immer noch FC Millwall-mässig zur Sache, und die dritte Halbzeit und "Violence In Our Minds" lassen sich ja wunderbar verbinden. Das nur zum Thema der Authenzität. Mittlerweile war ich ein wenig im Sack, doch bevor wir den Abend im Wild At Heart fortsetzen sollten, mussten THE BUSINESS nochmal ran. Komisch, 'nen neuen Drummer haben se mitgebracht und auch Terry Bones war nicht am Start, dafür durfte der DEADLINE-Bassist aushelfen. Fällt mir gerade ein, die haben ja auch noch gezockt. Und okay war's, die Leute sind überraschend gut auf den Female-fronted Streetpunk abgegangen. Bei BUSINESS war das dann nicht anders, auch wenn der Sound dank des Gitarristen mal wieder zu laut war. Das legte sich mit der Zeit aber, so dass sich die üblichen Hits wie "Real Enemy" oder "Saturdays Heroes" entfalten konnten. Irgendwie hatte ich aber ein wenig mehr von den West Ham-Boys erwartet, also ein bisschen tighter waren die auf jeden Fall irgendwann schonmal. Ordentliche Vorstellung, aber auch nicht der Überhammer, würd ich jetzt mal sagen. Tja, LAST RESORT hatten wohl zu viele Hits in 45 Minuten. Und so endete der beste Tag des Festivals, den Sonntag samt DISCIPLINE, MAD SIN, ADICTS und COCKNEY REJECTS haben wir uns geschenkt, ausser ADICTS hätte mich da nicht viel gereizt. War 'ne nette party mit gut 1300 Leuten, vielen Glatzen und wenigen Punks. Die Stimmung war aber definitiv locker. (nico)