The Negatives-Tour
14.11. - 17.11.02, Deutschland

14.11. Daun - HDJ (with 5 pm Visions)
Ich höre LOKALMATADORE's "El Lokalmatador" und habe Halsschmerzen von der nächtlichen Busfahrt. Es liegen vier Tage des Trinkens hinter mir, doch es hat sich gelohnt mal wieder on the road zu gehen. Das die NEGATIVES aus Schweden nach der im Mai geplatzen Tournee es doch noch mal nach Deutschland schaffen sollten, hätten nicht viele gedacht, nach einigen Umbesetzungen war es aber geschehen, dass man mich Donnerstag-Nachmittag in Düsseldorf aufsuchte. Kurz die nächtliche Ruhestätte "Pension bei Manni" gecheckt und danach ab in die Eifel. In the middle of nowhere war Daun, nach fast 3 Stunden Fahrt inklusive der typischen Köln-Staus konnte das erste Bier annen Hals gehen. Netter Jugendclub, die Skatepunk-Vorband vom Dorf inklusive. Bei den NEGATIVES gab es dann sogar Pogo, den Leuten hat es gefallen, was die Anzahl der verkauften Badges beweisen dürfte. Die mitternächtliche Rückfahrt gestaltete sich als unkompliziert, ganz im Gegensatz zur Anreise am folgenden Tag. Fahrer Hansi hatte rund 30 Stunden nicht mehr geschlafen, gönnte sich dann ein wenig Ruhe im Bus, dieser war allerdings weit und breit nicht aufzufinden. Durch Zufall konnte der schlafende Schwede gefunden werden, mit reichlich Verspätung trafen wir 20 Minuten vor unserer Showtime im Conne Island ein. 

15.11. Leipzig - Conne Island (with Mad Sin & Backseats & unknown psychobilly-band)
Cooler Laden, sehr gutes Catering (auf Grund unserer Verspätung fiel dieses für uns leider flach) und eine korrekte Vorstellung der Schweden. Die Hits des Debut-Albums wurde runtergezockt, hinzu kam das SHAM 69-Cover "Borstal Breakout" und Ansagen wie "Next Song is called Hate Song, it's about Hate". Haha. Die zuerst aufspielende Psycho-Band aus Tschechien habe ich verpasst, BACKSEATS aus Leipzig waren danach dran und boten durchschnittlichen Mitklatsch-Punkrock samt Bläser-Fraktion. Ach ja, die Leute haben bei den NEGATIVES sogar Zugaben gefordert, und ich dachte, alle wären nur wegen MAD SIN da. Die Berliner legten vor rund 400 Menschen eine tighte Show hin - hab se in den letzten 2 Wochen ja schonmal dreimal gesehen, aber Leipzig war wohl Top Of The Pops. Der Mob flippte und wollte mehr, bis auch Frontsau Köfte nicht mehr konnte. Danach ging es zusammen mit Promoter Gag durch diverse Leipziger Kneipen, "Koma", "Könich Heinz" und auch das "Friends" liessen manchen Schweden alt aussehen. Ich bin irgendwann ma wieder auffem Barhocker eingepennt, während Gitarrist Michael die Tanzfläche dermaßen heftig beackerte, dass sogar seine Tasche inkl. Passport, Money und Proberaum-Schlüssel verloren ging. Ebenso wie später seine Brille im Hotel, man kann auch mit fast 40 ("I'm Old Enough To Screw Your Mother" - O-Ton Michael) noch schön asi und sternhagel-voll sein. Das sieht Sänger Jyrki ähnlich, der zählt nämlich 45 Lenze, und ist bereits in den 80ern mit seiner Band EXISTENZ zusammen mit UK SUBS und 999 durch England getourt. "Pipi machen muss man" sangen einst die LOKALMATADORE, und Jyrki weiss das, schließlich strullerte er das Bettchen in der Pension am Stern zu Leipzig lecker voll. 100€ durfte er für 'ne neue Matratze löhnen. Selbiges ist bei der Tour im März schonmal in Dessau passiert, damals pullerte er ein Mitglied der CHEEKS im Schlaf vonner Seite an. Den nassen Mod und einen Vollrausch gab's aber damals für lau. 

16.11. Waldheim - Jugendtreff (with Cheap Stuff & Paparazzi)
Der Weg nach Waldheim war kurz, im Jugendtreff erwartete uns Promoter Holm, der auch gerne mal für das Moloko Plus & Tiki Lounge Fanzine aktiv ist. Danach passierte erstmal recht wenig, Hotel auschecken, duschen und pennen. Doch der Abend sollte sich immer besser entwickeln, die Lampen gingen an und auch Support-Act CHEAP STUFF wussten zu Gefallen. Gute Mischung aus Hardcore und Streetpunk, wobei der Sänger sich on stage in Szene zu setzen wusste. Kam an wie 'ne Mischung aus Schwul und Cool. Aber eher cool. Einer der besten Momente des Abend war dann, als unser Hotelbesitzer im Club auftauchte, dieser Kerl saß eben noch Sonnenstudio-gebräunt im Anzug an der Rezeption, um nun wie ein Bilderbuch-Punker inklusive zerschlissener Hose, dicken Bauarbeiter-Boots, und Nietenjacke im Club abzuhängen. Wir konnten gar nicht mehr vor Erstaunen. NEGATIVES kamen ziemlich gut an, der Pogo-Mob ging ab und Zugaben wurden ausgepackt. Danach ging es dann wieder den Berg hoch in das feine Hotel "Villa am Hügel", wobei der vornehme Restaurant-Saal nun als Sauf-Stätte für die Bands und eine Reihe ortsansässiger Mädels funktionierte. Das Bier ging auf unseren Punkrock-Hotelmanager, während mich der lange Tisch an diese typischen Bayern-Szenen aus dem "Bullen von Tölz" erinnerten. Vorher hatte ich mich zu den Klängen der SKALATONES übrigens noch deluxe auffe Schnauze gelegt - "Drunk & Punk on the dancefloor". Der nächste Morgen war hart, während des guten Frühstücks war der Hotelmanager wieder im Anzug unterwegs, fein und vornehm. Ich glaub's immer noch nicht. Im Gästebuch des Hauses sind übrigens u.a. Signaturen der BONES, VIBRATORS, YUMS YUMS und von KILL ALLEN WRENCH zu sehen, allesamt haben sie dort schon genächtigt. Und zwar immer for free, denn so unterstützt der gute Mann die örtliche Punkrock-Szene. Hammer. 

17.11. Stuttgart - Universum (with The Briefs)
Der Weg nach Stuttgart verging wie im Flug, überpünktlich erreichte man den Studenten-Club, hing ab und erlebte eine typische Sonntagabend-Show. Der Gig der NEGATIVES war durchschnittlich - vor einem tightem Publikum, das wohl eher auf die BRIEFS wartete. Auf diese Jungs aus Seattle war auch ich gespannt, eine absolute Knaller-Platte sowie fulminant laufende Europa-Tour liessen einiges erwarten. Und siehe da, die Mischung aus 77er-Punkrock und Bubblegum-RAMONES-Punk konnte viel, jeder der vier Members durfte den Lead-Gesang einmal übernehmen und für Abwechselung war gesorgt. Zum Ende hin wurden die Knaller-Songs ausgepackt, der durchschnittliche Mittelteil des Sets war wieder vergessen. Gute Sache. Ebenso wie das gesamte Weekend, denn die Mischung aus alten und jungen Punkrockern (zwei neue Members der NEGATIVES sind Anfang 20) sorgte für reichlich Furore - Leipzig und Waldheim waren zu Feiern bestens geeignet, Daun ein netter Warm-Upper und Stuttgart der korrekte Abschluss. In der Nacht noch ging es über Düsseldorf dann wieder zurück nach Schweden, um bereits Anfang Dezember wieder in deutsche Clubs einzufallen. "Lalala & Anti-Social", wobei die Halsschmerzen fast schon wieder weg sind. (nico)