Hate-Trash-Desaster
24.08.01, Moers - Südring

Im Vorfeld wurde angekündigt, dass GG Allins letzte und wohl auch bekannteste Band, die „Murder Junkies“ spielen sollten. Diese Behauptung erwies sich jedoch nicht, da der Bassist und Bandleader Merle Allin (GG´s Bruder) keinen Bock mehr hatte. Daraufhin wurde die Show kurzerhand gecancelt. Erst eine Woche vor dem angekündigten Gigdate meldete sich der Tourmanager und teilte dem Boris mit, dass aus den Trümmern der Murder Junkies eine neue Band entstanden ist, die am 24.08.01 spielen will. Boris (Südring Veranstalter) gab seinerseits dann das „OK“ und somit konnte die Show um die Skandal-Combo „Murder Junkies“ dann doch stattfinden. Meine Erwartungen waren am besagten Abend nicht besonders hoch, da ich an eine nicht besonders originelle „GG Allin and the Murder Junkies“ Kopie glaubte, die langweiligen bis schlechten Scum-Punk spielt. Da es am 24.08 sehr heiß war, verbrachte ich die ganze Zeit bis zu „Hate-Trash-Desaster“ vor dem Südring und bekam von den drei Vorbands nichts mit. Angesichts der hohen Temperaturen im Südring hatte ich halt keinen Bock mich drinnen unnütz braten zu lassen. Ich hatte vor der Show jedoch eine sehr amüsante Unterhaltung mit dem Gitarristen der „H.T.-Desasters“. Dieser teilte mir mit, dass Original „Murder-Junkie“ Dino Sex (The Naced Drummer) Fahrrad Courier in New-York sein soll – eine wahrlich strange Vorstellung, wenn man sich den total verpeilten Dino so ansieht. Der Gute gab mit seiner gelb gefärbten Nackenfotze, dem rot gefärbten Pornobalken, seinen dicken Goldketten und mit einem fetten Nike – Trainingsanzug einiges her! Der fette, schmantige Sänger ist wohl Tattowierer und Piercer, der andere Gittarist laut meinem Gesprächspartner ein Looser und der Bassist, der das Bass-Spielen wohl erst vor acht Wochen erlernt haben soll, ist siebzehn!!! Mein Gesprächspartner (Leadgittarist) selbst, ist nach eigenen Angaben Berufsmusiker. Langsam aber sicher stiegen meine Erwartungen dann doch. Um 23.00 Uhr war es dann so weit, „Hate-Trash-Desaster“ erklommen die Bühne. Jedoch musste die Combo noch auf ihren Drummer Dino Sex warten, der im Backstagraum eine verängstige Kellnerin zutextete und sich selenruhig seine teuren Designerklamotten anzog, um sie direkt auf der Bühne wieder auszuziehen um sich einen Drumstick in den Arsch zu schieben – völlig strange der alte Mann!!! Nun ja, nach dieser Einlage begann die Band mit ihrem ersten Stück. Das Publikum ging sofort gut mit. Ehrlich gesagt war ich schon etwas überrascht, denn man bekam wirklich erstklassigen, dreckigen und fiesen Rock ´n Roll zu hören, der sich hinter den Murder Junkies absolut nicht verstecken muss. Ich war schon beeindruckt, da mir Gitarrist Mike vor der Show mitteilte, dass die Band erst fünf Wochen vor dem Gig zusammengewürfelt wurde. Von Seiten des Publikums schallten zwischen den Stücken vereinzelte „GG“- Rufe zur Bühne, diese wurden zum Glück mit den Worten „this is no GG Allin Show – this is Hate Trash Desaster“  abgewehrt. Somit stellte die Band dann eindeutig klar, dass sie keinen Bock darauf hat eine „GG Allin and the Murder Junkies“ Abklatsch Kapelle zu sein. OK der dicke Sänger, der nur mit einem Sackschutz bekleidet und mit schlechten Tattoos auf der Bühne stand, hatte schon eine nicht unwesentliche Ähnlichkeit mit dem „guten“ GG – aber gut. Zwischendurch bekam der Mob doch noch drei gute Murder Junkies Coverstücke geboten („die when you die“, „bite it“ und „brutality and bloodshed for all“). Nach einem, für eine erst fünf Wochen existierende Band, sehr langen Set und einem ca. zehnminütigen Schlagzeugsolo war dann aber auch Schluss. Fazit: sehr gute Show, von einer überraschend guten Band. Ich hoffe, dass man von Hate-Trash-Desaster in Zukunft noch einiges hören wird. (christian)