Vans Warped Tour, 28.08.99, Duisburg - Landschaftspark Nord:


Dieses Jahr sollte die Warped Tour zum ersten Mal im Landschaftspark halt machen, praktisch direkt neben alten Zechen, die der Örtlichkeit einen gewissen Charme verliehen. Man befand sich pünktlich gegen 13.30 h vor den Toren, um auch gar keine Band zu verpassen, was aber dann, dank super Security, doch gelang. Es befanden sich rund 3000-4000 Leute vorm Eingang, wo man mindestens 30-40 Minuten (wenn man geschickt war) brauchte, um auf die Spielfläche zu gelangen. Die Leibesvisitationen verliefen Flughafenähnlich, dazu kam, dass viel zu wenig Personal und ein kleiner Eingang den Einlass zu einer sehr schwierigen Angelegenheit machten. Nachdem man pünktlich zum letzten Song der ersten Band des Tages, die auch noch ausgerechnet GOOD RIDDANCE hieß, vor der Stage einlief, befanden sich gerade mal 600 Menschen auf dem Gelände. Ausser mir gab's bestimmt noch einige andere, die die Kalifornier nur zu gerne gesehen hätten, doch irgendwie sollte es diesmal nicht sein.
Danach kamen LIFE AFTER WEEKEND, die mir unbekannt waren, auf die Bühne und lieferten soliden Melocore ab.
Blumentopf BLUMENTOPF konnten mit Hits wie '6 Meter 90' oder 'Fensterplatz' dann schon erste hüpfende Massenbewegungen erzeugen, bevor ONE MINUTE SILENCE mit RATM-ähnlichem Metalcrossover gute Resonanzen ernteten und sich als Stimmungsmacher in den Köpfen der Anwesenden manifestierten. Als die unankündigten IGNITE ihr Set begannen, befanden wir uns auf dem Weg zum PENNYWISE-Interview, aus diesem Grund können wir leider auch nicht über die Gigs der FIRMA und den PIETASTERS berichten. Pünktlich zum Set der BEATSTEAKS hatte uns der staubige Boden vor der Bühne allerdings wieder, so dass wir Zeugen eines mal wieder sehr geilen BEATSTEAKS-Auftritt waren. Diese Formation rockte auf äußerst sympathische Weise das Haus und befindet sich auf dem Weg, einer der besten deutschen Livebands zu werden. Überraschend gut waren auch SUICIDE MACHINES aus Amiland, die vor 2 Jahren als Support von NO USE einen allenfalls mittelmäßigen Eindruck hinterließen. Ihre Musik ist ein Mix aus Melocore und Skacore, wobei besonders die fetten Bläser Eindruck hinterließen. Die Kollegen von LESS THAN JAKE, die eine ähnliche musikalische Richtung präsentierten, hatten zwar 'ne lustige Verkleidungsshow am Start, doch sie wirkten zu eintönig und austauschbar, um sich zu empfehlen.
Der Großteil der Anwesenden konnte mit den TURBO AC'S aus New York wenig anfanden, obwohl jene gute Mucke des letzten Albums 'Winner Takes All' mitbrachten. Die Bühnendarbietung wirkte allerdings auch nicht sonderlich spektakulär.
Pennywise Gegen 19.30 h dann endlich die allerbeste Band der gesamten Tour: PENNYWISE!!!!
Los ging's mit 'Fight Till Die', und sofort ging der ganze Mob ab wie Scheisse, denn die lange Deutschlandabstinenz der Band ließ ihren Auftritt noch bedeutender werden. Das 'About Time'-Werk wurde so gut wie möglich ignoriert, dafür gab's ältere Sachen, sowie 'Alien' und 'Can't Believe It' vom neuen Album. Zum Abschluss des viel zu kurzen 30minütigen Konzerts wurde dann 'ne 5minütige Hammerversion vom 'Bro Hymn Tribute' dargeboten, die live zu den besten Sachen gehört, die je erleben durfte. Aus fast allen Kehlen dröhnte der 'OhOhOh'-Refrain des, dem verstorbenen Bassisten Jason M. Thirsk gewidmeten, Songs; auf der Bühne befanden sich neben PENNYWISE auch noch Crew, Freunde usw., die gemeinsam dieses Stück sangen. Einfach geil...übrigens durfte Oldie-Skater Steve Cabellero bei einem Song an die Gitarre.
Selbst als wenig später Obergangsta ICE-T samt Homeboys auftauchte, wurde 'OhOhOh' angestimmt, was ICE-T selbst wenig später nochmals ins Mikro shoutete. Der alte Mann bot dann doch 'ne korrekte Show, sogar ein BODYCOUNT-Song vom Tape wurde mitgebracht, der 'nen ordentlichen Moshpit auslöste.
Ging soweit ok.
Die Braunschweiger Crew SUCH A SURGE hatte die Massen auf ihrer Seite, besonders das 'Schatten/Gegen den Strom/Ideale'-Medley wurde abgefeiert. Olli und Co. waren wie immer sehr engagiert zu Gange und haben nicht verlernt die Menge zu rocken.
CONTROL MACHETE sind hierzulande noch relativ unbekannt und hatten die schwere Aufgabe, ihr Set vor dem der ÄRZTE zu absolvieren. Ihre Form von mexikanischem HipHop kam höchstens mittelprächtig an, der beste Track war die Single 'Si Senor', die einigen Musiksenderzuschauern bekannt sein dürfte.
Die Band, die wohl mindestens die Hälfte der Massen mobilisierte hatte, trumpfte mit sehr lustigen Sprüchen auf, die 1/4 der 70 Minuten ausmachten. Die Behauptung der ÄRZTE, dass die gesamte Warpedtour von der Scientology-Sekte organisiert wird, find ich lustig... Und Gassenhauer wie 'Elke', 'Schrei nach Liebe' oder 'Schunder-Song' gehen immer noch gut ab, ganz egal, ob man sich sowas noch auf Platte reinziehen muß. Coole Show der Berliner, die trotz Popstar-Status immer noch Coolnesspunkte bekommen, da sie Begriffe wie Ironie und Zynismus wohl mit verdammt großen Löffeln geessen haben.
Diese Tour war mal wieder 'ne schöne Angelenheit mit vielen coolen Bands, obwohl man doch hinundwieder 'ne Umbaupause machen sollte, da es stressig ist , wenn nonstop eine sehenswerte Band nach der anderen spielt. Außerdem sollte man im nächsten Jahr 'Back To The Roots' gehen, und sich mehr auf Punkrock und Hardcore konzentrieren. Wär nicht schlecht, wenn alles 1-2 Nummern kleiner über die Bühne gehen würde und statt großer Acts wie ÄRZTE, ICE-T usw. lieber Szenegrößen à la AGNOSTIC FRONT, H2O, SOCIAL D. oder BOSSTONES das Feld anführen. Trotzdem ist die jetzige Form, besonders im Preis/Leistungs-Verhältnis gesehen, sicherlich mehr als nur in Ordnung und gehört zu den Openair Höhepunkten des Jahres. (nico)