ROCK AM RING
09. - 11.06.00, Nürburg

Wie seit geraumer Zeit üblich, findet jedes Jahr zu Pfingsten das Rock am Ring Festival am Nürburgring in der Eifel statt.

Grund genug, auch dieses Jahr mal wieder vorbeizuschauen. Letztes Jahr war das ganze etwas mehr Metal-lastig, aber diesmal konnte mit der Deconstruction-Tour, die auch hier gehalten hat, nichts mehr schief gehen. Mittwoch noch schnell bei IKEA den sitzbaren Untersatz „TED“ für satte 9DM gekauft und dann am Donnerstag-Mittag losgefahren. Schon nach fünf Stunden hat der erste TED das zeitige gesegnet. Bis Sonntag hatten sich dann fünf der neun Stühle von alleine erledigt. Am IKEA-Klischee scheint etwas dran zu sein. Punkrock - like haben wir erst mal unser Areal mit Trassierband abgesperrt. Zwei offizielle und besonders wichtige Sicherungskräfte entfernten diesen Bau jedoch mutwillig mit den Worten „sso keht tes apa nüscht.“ Da muss man sich quasi fügen. Freitag ging es dann endlich mit Musik los. Um 17.00Uhr standen die Emo - Aufsteiger „THE GET UP KIDS“ auf dem Programm. Doch schon am Einlass wurden die ersten Hosen-Lieder gesungen und die ersten Schnauzbärte entdeckt. Einer davon hat sich darüber pikiert, daß „hier nur linke Zecken sind...“ Das Talent-Forum, mit einer knapp 1500er Kapazität, war um kurz vor fünf schon gut mit korrekten Leuten gefüllt. Laut Veranstalter kann man ja hier talentierte Bands ohne kommerziellen Druck spielen lassen. Na ja. GET UP KIDS enterten die Bühne, waren gut gelaunt und zeigten, was so alles in ihnen steckt. Es wurden nur die schnellen Songs wie „Holiday“ gespielt und die Leute gingen sehr gut drauf ab. Bei „Action&Action“ machte sich zum ersten Mal der „VIVA/VIVA2-Effekt bemerkbar. Definitiv einer der besten Auftritte, die ich bis jetzt gesehen habe. Halbe Stunde später kamen dann „GOOD RIDDANCE“ an den Start und rockten wie schon in Tilburg/Nl das Haus. Auch hier ging wieder alles. „Pogo, Circle Pit“ und so weiter. Auch wieder ein sehr cooler Auftritt.

Was danach kam, war erst mal nicht so wichtig. Als Kompromiss chillten wir vor der vom AlternaTENT zur AlternaSTAGE gewachsenen Bühne und schauten FERTICH MC und DJ STYLEWARZ beim Style-kicken zu. Yoyo. Hauptsache, der Rhyme is fett. Die HipHopper hatten es aber sehr schwer. Nur etwa 1000 Leute gingen ab. CURSE meinte, „lasst mich nicht so hängen...“ Bei DEICHKIND (für DYNAMITE DELUXE), FÜNF STERNE DELUXE und SÖHNE MANNHEIMS ging es aber mehr.

MC Rene mussten wir uns nicht mehr antun und so schlenderten wir zur Hauptbühne, wo um 20.15Uhr „OASIS“ spielten. Schon beim Opener „Go let it out“ hatte ich ob der lahmen Musik und Bühnenpräsenz kein Bock mehr. Drei Songs später befanden wir uns auch folgerichtig wieder im Talent-Forum ein, wo grad die ALTERNATIVE ALLSTARS spielten.

Auch hier gingen die Leute gut ab und die beiden Singles wurden aufgrund des o.g. Effektes regelrecht abgefeiert.

Als nächstes Stand die TERRORGRUPPE auf dem Programm, die ich mir zum dritten Mal in nur dreizehn Tagen angetan habe. Kann es was schöneres geben?!

Die Strip-Aktion von Sänger ARCHI kam schon nach dem dritten Song und diesmal mit der Begründung, das Prominente den Fehler haben, dass sie prominent sind und weil er ja nicht prominent ist und es auch gar nicht sein will...Hat wieder Spaß gemacht.

Als Co-Headliner wurden „GOLDFINGER“ gebucht. Es war einen richtige Wahl, denn das Publikum rastete schon bei Beginn des Konzertes aus. Auch hier machte sich wieder der VIVA-Effekt bemerkbar. Aber gut. Die vierzig Minuten wurden natürlich mit „99 Red Ballons“ beendet.

Headliner waren um 00.15Uhr die „MIGHTY MIGHTY BOSSTONES“, eine junge Band aus den USA, die auch ich für sehr talentiert halte.

Das Set führte uns durch alle Phasen der Band und das Publikum kannte wirklich jeden einzelnen Song. Die BOSSTONES waren in hervorragender Verfassung und zeigten wieder einmal, wer im SkaCore die Nummer Eins ist.

Nach fünfzig Minuten war das Programm zu Ende und es folgten noch drei Zugaben. Als anschließend zu deren eigener Überraschung, immer noch keiner ging, gaben sie noch „Rascal King“ als letzte Song. Großartiger Auftritt einer großartigen Band.

Feierabend für heute.

Der Samstag konnte nur schlechter werden. Aber das war vorher klar.

Auf der Mainstage waren die FK-ALLSTARS, EURYTHMICS, SANTANA und STING am Werk, während die Alternastage von New-Metal-Zeugs belagert wurde und im Talent-Forum talentierte Popbands an den Start gingen.

Trotzdem mal schauen:

STATIC-X waren die ersten für uns. Der Sänger sieht aus wie Lämmermann und die Musik ist schlecht, weil ich Metal nicht mag. So viel Feedback haben die aber auch nicht bekommen.

Nach diesem Schlag brauchte ich eine poppige Abwechselung und ging nebenan ins Talent-Forum, um den SPORTFREUNDEN STILLER bei ihren Fussball-Liedern zuzuhören. Hat mir ganz gut gefallen.

Wieder raus zu ONE MINUTE SILENCE. Wieder New-Metal. Wieder böse Buben. Wieder ging wenig. Die waren aber, glaub ich, etwas melodischer wie STATIC-X. Glaub ich.

Um 19.30Uhr waren die gepushten KITTIE am Start. Muss man sich mal angeschaut haben. Ich fands wieder langweilig. Sie kamen aber besser an. Als Special zum Schluss sprang die Bassistin in die Meute. Anschließend schlenderten wir wieder übers Gelände, aßen was indianisches  und betrachteten SANTANA aus der Ferne. Da kam voll das Karnevals-Feeling auf. Die Leute hatten jedenfalls Spaß.

Um 21.30Uhr standen die Rocker von DEFTONES auf der Alternatstage und konnten auf bestimmt 20000! Fans zählen. Auch noch 50 Meter vor der Bühne ging einiges. Es war ein großer Auftritt der Band, die wir anschließend nur noch die Mighty Mighty Deftones nannten. Gefiel.

SLIPKNOT waren die Headliner, aber schon nach dem ersten Song bin ich gegangen. Das war definitiv genug Metal für heute.

Der Sonntag stand bei mir ganz im Zeichen von NoFX. Für die meisten anderen Festivalbesucher im selbigen der TOTEN HOSEN.

So machten wir uns einen Spaß daraus, zu jedem Zweiten „Schnauzbart“ zu sagen, weil deren Frequentierung eben diese Größe erreichen konnte. Weichei - Wort des Tages war folgerichtig „auf Hosen Warter“. haha.

Gleich die erste Änderung begann am Einlass. Der Security Service in blauen Polo-Hemden wurde durch dem Special Security Service Germany in gelben Regenjacken ergänzt.

Gegen 15.00Uhr wanderten wir vor die Mainstage und konnten noch ein paar Songs von P.O.D. betrachten. Um 15.35Uhr sollten dann SUCH A SURGE die Bühne betreten. Aber: Ein Blick auf die Anzeigentafel präsentierte WEISSGLUT!!! um diese Zeit, während SUCH A SURGE auf 17.30Uhr verlegt wurden, wo eigentlich NoFX spielen sollten. Von NoFX war plötzlich keine Rede mehr.

Ein kurzer Zwischenspurt zum Infostand, um neueste Informationen zu erlangen, folgte prompt.

Sämtliche Fragen meinerseits wurden mit „weiß nicht“ und „hää?!“ beantwortet. In dem von SUCH A SURGE belagerten VISIONS-ZELT konnte mir auch niemand weiterhelfen.

Jedenfalls hab ich mir WEISSGLUT nicht angeschaut.

Um 17.30Uhr gingen dann wirklich SUCH A SURGE an den Start und machten wie immer Laune. Für mich war das auch nichts neues, hat aber wieder gefallen. Die Herren in blau wurden mehrmals aufgefordert, Wasser für die Fans zu besorgen.

Anschließend standen KORN auf dem Programm, die ich persönlich nicht gut finde und mir somit auch keinen Spaß bereiten konnten. Die Gros des Publikums ging aber gut drauf ab.

RAGE AGAINST THE MACHINE waren Co-Headliner und erklärten das Festival zur „Battle of Nürburgring.“ Die Leute gingen auch hier wieder gut ab. Schlusspunkt setzte deren Überhit „Killing in the Name of“ .

Headliner waren schließlich DIE TOTEN HOSEN, die ich mir jetzt zum x-ten Mal angetan habe.

Alte Klassiker wie „Liebeslied“, „Opel-Gang“ und „Hier kommt Alex“ wechselten sich mit neuzeitlichen Ausrutschern und BAP/PUR Anlehnungen wie „Schön Sein“ oder das unsägliche „Bayern“ ab.

Letztendlich schaue ich mir die HOSEN aber immer noch ganz gerne live an, auch wenn ich mir deren Platten nicht mehr kaufe.

Das war Rock am Ring 2000. (markus m.)