13. BIZARRE FESTIVAL, 20.08 - 22.08. 99, Köln/Butzweiler Hof:


Bereits zum 13.Mal sollte Deutschlands größtes alternatives Festival stattfinden, und das Billing ließ auf schöne Tage hoffen. In den folgenden Zeilen werden die für uns relevanten Bands genannt, darüber hinaus haben natürlich noch viele weitere Acts die Bühne betreten dürfen. Los geht's mit BLOODHOUNDGANG, über die wir in anderen Bereichen schon ausführlich berichtet haben und deren Show wie immer geil ankam. Auch wenn nach mehrmaligem Anschauen leichte Abnutzungserscheinungen auftreten, kam, die im Gegensatz zur 'Flying High'-Tour leicht veränderte Show der trendy Jungs, verdammt gut an.
Danach folgte dann die erste Überraschung des Festivals in Form von JOE STRUMMER & THE MESCALEROS. Der Ex-CLASH-Sänger war mit seiner neuen Band unterwegs und bot neben neuen Nummern auch alte Klassiker wie 'London Calling' oder 'I Fought The Law', die sehr geil rockten. Insgesamt kann man seine Musik als eine Mischung aus Ska, Reggae, Rock und Rock'n'Roll bezeichnen, dazu kommt, dass der Mann schon jetzt den Legendenstatus innehat. Hat mir sehr gut gefallen, obwohl viele Leute damit gar nichts anfangen konnten und den Mann lieber hinter als auf der Bühne gesehen hätten.
Als Headliner des Tages betraten gegen 23.00 Uhr DIE FANTASTISCHEN VIER die Main Stage, vor der sich dann alle 35.000 Anwesenden versammelten, um 'Tag am Meer', 'Was Geht?', 'Krieger' oder 'Populär' ebenso abzufeiern wie 'MfG', 'Michi Beck in Hell', 'Schmock' und 'Le Smou'. Sehr unterhaltsame 80 Minuten, inklusive 5 Minuten Stromausfall, der von Thomas D. als versuchter Terroranschlag verkauft wurde. Die Leute gingen sehr cool drauf ab, die Fantas mag ja auch jeder irgendwie.
Am Sonntag bestand das Hauptbühenprogramm aus den gräßlichen Überresten des letzten Zillo-Festivals, eine sehr dunkle Angelenheit, aus der nur zwei Bands herausragen sollten.
Doch zunächst wurde natürlich die Fat Stage besucht, ohne die das Bizarre ins (Mainstream)-Mittelmaß abrutschen würde. UNDECLINABLE AMBUSCADE aus den Niederlanden waren schön anzusehen und haben sich, ähnlich wie bei der TEN FOOT POLE-Tour im Mai, sicherlich einige neue Freunde gemacht. Danach dann DONOTS, die mit Tracks des Debutalbums das Zelt schon locker rockten. Sänger Ingo hielt sich diesmal mit peinlichen Ansagen zurück und gefiel durch gutes Stageacting.
59 Times The Pain Bei den Schweden 59 TIMES THE PAIN wurde dann ein Problem ersichtlich, das auf (grossen) Festivals leider schon zur Normalität gehört: Die Security. Die Herren der Firma RAD hielten es nicht für nötig, Crowdsurfer aus der Menge zu fischen und in den Graben zu heben, sondern drückten diese zurück, wobei viele auf diese Weise aus 2m auf den Boden fielen. Andere wurden herausgefischt, im Würgegriff(!) zum Ausgang des Grabens begleitet und dort nochmals mit einem ordentlichen Schubser hinausgebeten. Dieser Job scheint fast ausnahmslos von gescheiterten Polizisten oder Böhse Onkelz hörenden Prolls ausgeübt zu werden, die ihre Aggressivität dann an Leuten auslassen, die dafür auch noch bezahlen. Trotzdem wußten 59TTP zu gefallen, denn ihre Mischung aus Streetpunk und älteren Hardcorekrachern kam super an. Die Band, die in letzter Zeit einen überraschenden Imagewechsel vollzog brachte 'More Out Of Today' ebenso wie 'Turn At 25th'. Cool.
The Living End Australien war in Form von THE LIVING END vertreten, die nach erfolgreicher Supporttour für die HOSEN schon viele Freunde in Deutschland haben. Jedenfalls wurden Kracher wie 'Prisoner Of Society', 'Second Solution', 'Monday' oder 'Save The Day' lauthals mitgesungen. Die halbe Stunde Punk 'n' Roll gehörte zu den besten Momenten des Tages und machte, genau wie ihr aktuelles Album, richtig Spass.
SNUFF aus England gehören zu den Fat Wreck-Bands, die hierzulande kaum Medieninteresse erwecken, zumindest sind ihre Fressen sehr selten in irgendwelchen Mags zu besichtigen. Und das, obwohl sie schon seit geraumer Zeit besten PopPunk praktizieren, der unverwechselbar nach SNUFF klingt. Die ersten 20 Minuten waren gut anzusehen, weil man die Hymnen des letzjährigen Albums 'Tweet Tweet My Lovely', die vom singenden Drummer vorgetragen werden, einfach nicht ignorieren kann. Den Rest des Gigs konnten wir leider nicht mehr anschauen, da wir die Ehre hatten mit Lou von SOIA ein Interview zu führen.
Als wir uns wieder in Richtung Fat Stage aufmachten, erklangen die ersten Akkorde der BEATSTEAKS, die natürlich wieder ganz amtlich das Zelt wegrockten. Das Motto des Gigs war 'Shut Up Stand Up'...
Leider hatten die Organistatoren am Sonntag zwei Bands zur falschen Zeit spielen lassen, denn DOG EAT DOG und BIOHAZARD waren auf der Main Stage zur gleichen Zeit aktiv wie BEATSTEAKS und GOOD RIDDANCE auf der Fat Stage, und das, obwohl sich deren Publikum größtenteils überschneidet. Na ja, man entschied sich dann für die große Bühne, da GOOD RIDDANCE ja auch noch die Warpedtour spielen.
DOG EAT DOG animierten bei schönem Wetter 30.000 Leute zum Hüpfen und im 40minütigen Best Of-Programm gefielen besonders die älteren Sachen. Muss schon sagen, daß John Connor die breite Bühne ganz gut ausfüllt und die Jungs Festivals genauso wie kleine Clubs beherrschen.
Biohazard
Nach düsterem Intro betrat dann ein verdammt zugeknallter Evan Seinfeld mit Kollegen in Form von BIOHAZARD die Bühne, um vornehmlich älteres Material ('Urban Discipline') zum Besten zu geben. Das neue Album 'New World Disorder' wurde auch ausreichend vorgestellt, besonders 'Resist' und 'Salvation' kamen gut an. Das coole 'Mata Leao'-Album wurde fast ganz ignoriert, trotzdem war's ein schöner Gig. Das Publikum ging aber im Gegensatz zu DOG EAT DOG nicht ganz so heftig mit, obwohl Gitarrist Billy an allen Stellen der Bühne, sowie oft im Pit zu finden war und gut anheitzte.





Auf der zweiten Bühne waren nun schon HEPCAT am Werk, die mit sehr relaxtem und traditionellem Skareggae dem Mob das Tanzen lernte.Hepcat Sick Of It All Einige Minuten später gab's dann den krassen Gegensatz zu HEPCAT: Die NYCHC-Legenden SICK OF IT ALL stiefelten auf die, von allen möglichen Musikern (BIOHAZARD, GOOD RIDDANCE, BEATSTEAKS, DONOTS...), bevölkerte Stage, und zeigten, wer der wahre Headliner des Bizarre ist. Wie schon erwartet, präsentierten sich Lou & Co. in bester Livequalität und die Leute, die sich im überfüllten vorderen Bereich (Absperrung im Publikum) befanden, gingen dermaßen geil und so heftigst ab, dass anfangs leider immer mal wieder 20-30 Leute wegen der schnellen Bewegung des Pits übereinander auf dem Boden lagen. Da SOIA Monitorboxen und Fernsehkameras nur an den Seiten duldeten hatte man einen super Blick, der das Hammer-Stageacting der Band erblicken ließ. Die Setlist ließ auch nichts zu wünschen übrig, Knaller wie 'Sanctuary', 'Step Down', 'Us Vs. Them', 'My Life' oder 'Give Respect' besorgten den Rest. Sick Of It All Diese Band gehört zu den Besten dieses Planeten und lieferte demnach DEN Gig des '99er Bizarre Festivals ab.
Fazit: Das Bizarre ist immer wieder eines der geilsten Festivals in Germany, obwohl viele Sachen verbessert werden könnten. Zum Beispiel 'ne bessere Security und nicht soviel Scheiße auf der Hauptbühne (Type O, Wolfsheim, Tocotronic, Blumfeld...). Außerdem sind die Absperrungen im Publikumsbereich wirklich nicht nötig, man erinnere sich nur an 1996, als 35.000 Leute anwesend waren und ohne Absperrung alles wunderbar funktionierte. Gerüchten zufolge soll aber das 2000er Festival auf Grund von Raumproblemen nicht mehr auf dem Butzweiler Hof stattfinden, sondern in eine andere Stadt (Dortmund?) umziehen. Schaun mer mal... (nico)



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