BIZARRE FESTIVAL
18.08. - 20.08.00, Weeze - Airport

Mein viertes Bizarre-Festival sollte zum ersten Mal nicht in Kölle stattfinden, sondern wurde aufs Land, nähe Kleve, verlegt. Na gut, so weit war's ja nicht weg. Das Gelände war auf jeden Fall super-großräumig und hatte neben Wiesen und jeder Menge Asphalt auch einige Bunker zu bieten. Typisch Militärflughafen....
Der Freitag hatte musikalisch nicht allzuviel zu bieten, so dass man sich neben dem Zeltaufaufbau zunächst mal dem Biergenuß widmete.
Die erste wirklich interessante Band sollte gegen 15.00h die zweite Bühne betreten und nannte sich JIMMY EAT WORLD. Zunächst mal eine kurze Erklärung zur zweiten Bühnen, welche sich in einem Wellblech-Hangar befand. Das sollte reichen, um den Sound ab vordere Mitte zu beschreiben - der war dann nämlich brei-ig. Und auch ganz vorne konnte man nicht unbedingt von 'nem Zuckersound sprechen....
JIMMY EAT WORLD kannte ich bis dato musikalisch nicht, besaß also keine Alben und konnte mich demnach auch nicht sonderlich mit ihrer Vorstellung anfreunden. Man sollte eben vorher die Songs kennen, um den Wahn, der die College-Emo-Guys umfährt, nachvollziehn zu können.
DYNAMITE DELUXE konnte bei mir nach 20 Minuten keinen großen Eindruck hinterlassen - ging so, ich hab' kaum Songs wiedererkannt.
Danach war wieder Bierpause und wenig später wurde BECK aus guten 100 Metern Entfernung von so 'nem Hügel aus betrachtet, der sich im VIP-Bereich befand. Das musste ich nur mal erwähnen - aber der Ausblick war sehr schön und relaxend. BECK fand ich vor ein paar Jahren bei Rock Am Ring mal ganz gut, aber heute bot er nichts besonders, außer, dass mal wieder 'Loser' gespielt wurde. Cool.
Im Zelt, äh, Hangar, war MOBY an der Reihe. Die Vorstellung war ganz ok, gute Stimmung, nur einige Instrumental-Tracks nervten. FEVER BEARD war übrigens nicht BLOODHOUNDGANG, sondern die Teens von den MOFFATS. Also, deren Popmusik unterschied sich für mich nicht groß von der Mucke anderer Bizarre-Acts - oder hat das Bier meine Sinne getrübt?
Danach war zunächst mal Feierabend, der Samstag sollte mit einem Ausflug ins Stralener Schwimmbad beginnen.
Am frühen Nachmittag des doch recht gut besetzten Samstages waren MR. BUNGLE samt MIKE PATTON an der Reihe. Ja, zwei Songs hab ich mitbekommen - die gloreiche FAITH NO MORE - Stimme kann man zum Glück immer noch raushören.
SUCH A SURGE hab' ich nun schon tausendmal gesehn. Die sind bei dem ganzen Hin- und Her um das mögliche BLINK 182 - Inti, welches eigentlich stattfinden sollte, an mir vorbeigerauscht.
Na gut, im Endefekt haben wir halt nicht mit den Cali-Jungs geredet, da ich wegen meinem Handy-Akku nicht zu ereichen war und die zuständige Promo-Frau ebenfalls nur ihre Mailbox angeschaltet hatte. Na ja, halt aneinander vorbei telefoniert.....und schon standen die DEFTONES auf der Bühne, um ein wirklich sehr schönes Set zu bieten. Mit dem neuen Album kann ich ja nicht mehr so viel anfangen, aber die Show war wirklich gut. Chino stand die ganze Zeit auf so 'ner Kiste, ist der etwa so klein?
BLINK 182 boten die erwartete Teenie-Vorstellung, alle Hits plus einige alte Sachen sowie jede Menge 'Penis'-Sprüche. Ich wette, die bringen jeden Abend die gleiche Scheisse - fand ich irgendwie nich so lustig.
Die Kids fanden es gut und pogten ohne Ende. Ich mittendrin. Ja, einige Songs sind ja durchaus ok, aber muss man als mittelmäßige Band so viele Platten verkaufen?
Den letzten Beweis, dass BLINK definitiv nix mit Punk zu tun haben, lieferten die dort aufgeführten Shirt-Preise: 45 DM. NO USE und die anderen Fat Bands haben läppische 25 genommen.
Ich sach ja immer, die Shirt-Preise einer Band sind wichtiger als irgendwelche politische Aussagen.
Sure, BLINK care about the kids, sure ! In die Fresse.....
FOO FIGHTERS find' ich für 'ne Alternative Rock-Band wirklich gut, die Show war durchaus ok, obwohl einige langsame Stücke auch mal langweilten.
Auf LIMP BIZKIT hab ich mich wirklich gefreut. Ja. Ich geb's zu. Ich stelle mich.
Natürlich kann ich mit dem Gepose und der Rockstar-Attitude der Herren ebenso wenig anfangen wie mit ihrem Publikum, doch muß ich zugeben, einige Songs wirklich als gut rockend einzuschätzen.
Der absolute Headliner des Wochendes hatte Show-technisch aller Hand zu bieten.
Neben einer guten Lightshow, ordentlich Bewegung seitens Mr. Durst, gab's noch einige nette Pyro-Spielereien, die diese Show zu einer wirklich gelungenen Vorstellung werden ließen.
Neben den grossen Hits gab's fast nur (gutes) neues Material und einige lustige Cover (KORN, METALLICA, HOUSE OF PAIN). Die Leute flippten und der Gig war kurzweilig und abwechselungsreich. Respekt.
GATHERING interessierte nicht die Sau und so verfolgten wir vom Campingplatz aus das Feuerwerk.
Oh, frohes neues !
Nachdem mir ein ehemaliges Pseudo-Neo-Nazi-Kid seine Lebensgeschichte auftischte, war ich müde.
Nur gut, dass der Jungs inzwischen seine früheren Fehler einsieht. Die Welt ist doch schön.
Wir waren im Arsch, und schafften es nicht mehr bis um viere wach zu bleiben. Dann sollten nämlich SPORTFREUNDE STILLER und HARDCORE SUPERSTAR ohne uns die Aftershowparty rocken.
Der Sonntag samt Fat Stage war ja bisher immer das Herzstück des Bizarre-Festivals, doch dieses Jahr fand ich das dortige Line-Up nicht besonders knallig.
Das lag aber viel mehr an dem Umstand, dass ich den absoluten Großteil der Fat Stage Acts in den letzten Monaten schon mehrmals betrachten durfte. 
GRADE waren im Kölner Undergound viel besser und konnten vor ahnungslosem Publikum nicht viel reissen. ALTERNATIVE ALLSTARS waren hingegen mal wieder wirklich schön zu betrachten, denn das Wetter außerhalb des Hangar war echt gut. Eine schön-Wetter-Band, also? Claus ist ein lieber Sänger, der sich wie ein Vater um seine Fans sorgt. Aber THUMB dürften auch mal wieder rumkommen....
HERF HERDER waren wirklich ok, obwohl 'richtig gut' hier auch übertrieben wäre.
SNUFF waren cool, fette Bläser, 'ne nette Keyboarderin und immer wieder 'Arsehole'.
NO FUN AT ALL hab ich kaum gesehen, die guck mir erst wieder im Club an.
Nachdem wir uns dann, Achtung - jetzt kommt der spannende Teil, mit VIP-Pässen in den eigentlich nur mit Backstage-Pässen betretbaren Bereich geluxt hatten, hingen wir da erstmal ab, tranken kaltes Sponsoren-Bier und betrachten die NEW BOMB TURKS vom hinteren Bühnenbereich aus.
Die Musik ist live besser als auf Platte und der Sänger macht ganz gut Action.
Der Kerl ist aber wohl auch im normalen Leben ein bisschen crazy, der lief da backstage rum und sagte komische Sachen.
TERRORGRUPPE wurden dann natürlich direkt vom Bühnenrand aus betrachtet, man wagte sich also immer weiter vor. Unter diesen Umständen war auch die 100. Show wie immer, aber gut anzuschaun.
NO USE FOR NAME erwartete ich wirklich sehnlichst, die Platten hatte ich längere Zeit nicht mehr gehört und die letzte Deutschland-Show liegt nun auch schon ein Jahr zurück.
Die Band hat sich unheimlich entwickelt, jetzt rockt man als Headliner mal eben einen 8000 Mann - Hangar. Es gab 'ne gewohnt routinierte Show ohne grosse Ansagen, dafür mit allen coolen Tracks der letzten drei Scheiben.Hat definitiv gut gefallen.
Die nächste Stunde musste im Hangar ausgehart werden, da es draussen wie beschissen regnete. Dabei sei gesagt, dass das sonstige Wetter wirklich gut war, es halt halt erst ab dem späten Abend geregnet, dann aber wie Sau - ich sach's Euch. 

Na ja, wir waren ja den ganzen Tag im Hangar und wollten erst zu den abschließenden SUICIDAL TENDENCIES wieder raus.
Zu Beginn deren Show hörte es dann aber auch auf, das Unwetter hatte nur einen komplett überschwemmten vorderen Publikumsbereich hinterlassen, der von der Feuerwehr ausgepumpt werden musste. Schaut Euch die Fotos an !     

                                  

Na ja, auf jeden Fall fand ich ST ziemlich Knaller-mäßig, das hätte ich gar nicht von den alten Männern erwartet. Ich hab da zwar so 'ne Best Of von denen rumstehn, aber die fand ich nie besonders.
Dagegen war die Show, natürlich auch wegen den besonderen Umständen, ziemlich geil.
Mike Muir zog 'ne ziemlich fette Bühnenshow ala Freddie Madball oder Roger Miret ab, und bewegte sich wirklich wie Sau.

Dazu war der vordere, überschwemmte Bereich vollkommen leer, weiter hinter pogten die ganz Verrückten im Wasserdreck. Das sah schon heavy aus. ST boten den 5000 Verbliebenen dazu 'ne tolle Hardcore-Punk-Show mit erstaunlich vielen Tracks, die directly in die Fresse gingen. Gut....
Nach der SUICIDAL Show gab's auffem Zeltplatz dann noch lustige Aktionen: 50 Leute klopften wie verrückt auf irgendwelche Mülltonnen und 500 Menschen sahen zu. Außerdem wurde ein Container, der am Nachmittag noch dem Ticket-Verkauf diente, ganz gut verwichst und leicht zur Seite geschoben. Dat Dingen war aber eh' schon super-rostig. Das konnte man von den umgestoßenen Dixie-Klos nicht behaupten. Na ja, irgendwie lustig, aber auf der anderen Seite sah das auch sehr nach Kinder-Riots aus. Von wegen: Heute sind wir aber mal richtig böse. Die Polizei stand übrigens in sicher Entfernung mit mehreren Mannschaftswagen bereit, passiert ist aber sonst nix.
Fazit des 14. Bizarre-Festivals: Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht da abzuhängen, es waren ja auch einige coole Bands dabei. Nur sollte man im nächsten Jahr besonders in Hinsicht auf die Fat Stage etwas stärkere Geschütze auffahren. Von wegen Exklusivität und so.
Außerdem wurden die Absagen von Hochkarätern wie DIE TOTEN HOSEN (na ja), PENNYWISE, MILLENCOLIN und H2O mit keiner gleichwertigen Ersatzband bedacht, was ich sehr schade finde. 
Das Bizarre ist ja im Bereich Punk & Hardcore, wenn man von der Fat Stage mal absieht, nicht mehr so aktiv wie früher, so dass ich da viel eher Festivals wie das WITH FULL FORCE empfehlen kann.
Dennoch war Weeze mehr als nur eine Reise wert - schönes Gelände, nette Festivalatmosphäre und einige wirklich coole Gigs, die zugegebenermaßen nicht nur von Acts aus dem Punk-Genre abgeliefert wurden. Der Blick über den Tellerrand sozusagen........(nico)

BLINK 182:

 

FOO FIGHTERS:

 

NERF HERDER:

 

LIMP BIZKIT:

 

TERRORGRUPPE:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

NO USE FOR A NAME :

 

SUICIDAL TENDENCIES:

 

NEW BOMB TURKS:

 

CROWD: