Bizarre Festival
17.08. - 18.08.02, Weeze - Airport

Samstag baten TURBONEGRO auf dem Bizarre zum Tanze, was uns natürlich dazu veranlasste, diesen Knaller mit zu nehmen. Also fuhren wir gemütlich am Nachmittag los und trafen pünktlich zu SEEED auf der 2nd Stage im Hangar an. Und: Der Hangar war picke-packe voll, als die ersten Tröten die Bühne betraten. Dann kamen die drei Sänger wie Affen auf die Bühne gehüpft und tanzten erst mal ne Runde. Der unsympathische ex-Flugzeugunterkunftsbau verwandelte sich kurzfristig in eine triefende Dancehall zum heavy Monster Sound der Berliner Combo. Skank down. Allerfeinster Rocksteady mit Ska und Reggae Roots. Genau das richtige zu Hitze. Hat nicht nur mich echt begeistert. Gleich ein Highlight zum Anfang. Das zweite sollte nicht lange auf sich warten lassen. Happy Tom und seine schwulen Kollegen aus Oslo baten zur riesigen Rockshow auf der Mainstage. Das Publikum war zwar „ready for some darkness“, allerdings brannte die Sonne  von links rüber, weshalb ich nur einen halbseitigen Sonnenbrand habe. Die Leute gingen dermaßen ab, während ich einfach nur begeistert von so einer dicken Show war. Der Sänger ist einfach ein großartiger Entertainer mit Mimik die ihres gleichen sucht. Fast durchweg auf gebrochenen deutsch ging es bei den Ansagen um strafbaren Kindersex, Fingerficken, Fotzen und anderen Geschmackstötern, die der WDR ja so eigentlich nicht zeigen möchte. Tabubruch für die öffentlich – rechtlichen hier. Gespielt wurde auch, und zwar in 60 Minuten das, was man kennt. Als Zugaben dienten natürlich die beiden Tophits „Get it On“ und „I got Erection“, was so ein bisschen die Krönung des Auftritts war. KORN sind nichts für mich und sicher auch nichts für dich. Das anschließende Junkie XL special guest set bestand soweit wir das eruieren konnten, aus House und Techno. Zumindest für unsere Ohren. Also auch nichts für uns. Da fehlte einfach eine Strähne für uns interessanter Bands, die uns bis zur Aftershowparty hätte ziehen können, wo u.a. DIE STERNE, BEATSTEAKS und SON GOKU ihr Können unter Beweis stellten. Letztere habe ich sogar noch bestimmt 20 Minuten lang nach der Rückfahrt zu Hause im WDR gesehen. „Barfuss oder Lackschuh“ war hier nicht die Frage, da Thomas D. seine WG eh nix an den Mauken trägt. Positive Rockmusik ohne große Höhepunkte. Nach dem Album werden die wohl wieder weg sein. Der Sonntag war dafür umso genialer. Diesmal schon um halb zwei im Hangar angekommen waren mal wieder STRIKE ANYWHERE am Start. Der Sound klang nach Bockwurst Bude. In der Halle war bis auf den Bereich der ersten Absperrung vor der Bühne nichts los. Allerdings konnten die neuen Everybody´s Darlings des HC, zwei Tage älter als noch am Freitag, wieder und wieder und weiter Sympathien gewinnen. Mittlerweile kennen echt voll viele Leute die Band und sogar noch die Songs. Auftakt nach Maß. Dann war erst mal ein Quartett auf der Hauptbühne dran. Um halb drei ging es für mich hier mit LAMBRETTA los. Rock mit Barbie-look-a-like Sängerin, Heliumstimme und Lederklamotten. Dass es sich bei den Schweden ebenfalls um ein Kunstprodukt à la Barbie handelt, zeigt schon, dass die Songs vom Britney Spears Ghostwriter zusammengestellt werden. Macht nichts, solange sich die Blondie auf der Bühne hinkniet und quietscht, als gäbe es kein Morgen mehr. Den One-and-last Hit „Bimbo“ gab es dann zur allgemeinen Überraschung tatsächlich zum Schluss. Es ist schon schade, wenn man sieht, dass die Leute mehr auf so was abgehen, als auf die folgenden GLUECIFER. Da ging so wenig, das Mr. Biff Malibu HIMSELF fragen musste, ob hier „lazy, smoking pot Hippies“ wären. Na ja, zumindest zog der Herr mit Krawatte und Busfahrerbrille gekonnt seine Show ab. „I got a war“! Nun, es sollte sich heraus stellen, dass das alles nur die Vorbereitungs- bzw. Konzentrationsphase für die folgenden SPORTFREUNDE STILLER war. Da wurde es mal so richtig voll. Es ist schon unglaublich, wie viele Leute bei denen mittlerweile völlig ausflippen. Ich meine, ich habe mir auch beide CDs vor ein paar Monaten zu gelegt, aber live können die mittlerweile alles. Für mich die Liberos der Festivals: „Die kannste immer ma brauchen“. Sportlich fair war auch die Songsauswahl. Die Hälfte vom ersten Album, die andere vom zweiten. Mit nett, zuvorkommend und lustig kann man die drei Bayern wohl ganz treffend umschreiben. Immer gut, immer besser. Ja, danach ging es deutsch weiter. FARIN URLAUB und seine Big Band traten auf. Erwarte habe ich albernes Rumgehampel wie bei den Ärzten, ohne klare Aussage. Sicher hat Herr Urlaub viele Spaßsongs am Start, die sehr fein von den Bläsern der BUSTERS und einer Auswahl illustrer Damen an den Instrumenten begleitet werden. Aber wenn man mal genauer hinhört, kommt z.B. bei „lieber Staat“ die Politik ins Spiel. Und dann zieht der Kollege auch nicht seinen Doris-Schröder-Köpf Kieferbau übers ganze Gesicht, sondern bleibt ernst bei der Sache. Was ich jedem Mal ans Herz legen möchte, ist der Song „Petze“, den es auf seiner Homepage zum Download gibt. Hab ich mir grad gezogen. Klasse Punkrocksong über Nachbarn, die sich über laute Musik beschweren. Und wenn dann die Gegenfrage kommt, ob der Nachbar denn früher auf Socken in Polen einmarschiert ist, verneige ich mich vor solchen Songwriter Qualitäten. Dass dann auch noch „Going Nowhere“ von THERAPY? gecovert wurde, rundet die Sache schön ab. Was dann für uns folgte, war wieder ein Trio auf der Fat Stage, dem Hangar. Die BOUNCING SOULS baten zum Tanze und kaum einer war da. Offensichtlich hat das Bizarre dieses Jahr weniger Skater(like) Leute gezogen. Der aller größte Teil war wohl mehr auf NewRock und Alternative unterwegs. „Those fucking New Jersey Luscious“ spielten routiniert ihr Set runter. „True Believers“, „East Coast Fuck You“, „Manthem“ und das vom Tribute to the real Oi! bekannte COCK SPARRER Cover “We´re coming back” machen schon Spaß. Auch wenn sich der Laden im Vergleich zu STRIKE ANYWHERE am Mittag nicht besonders füllte. Danach gab es die TERRORGRUPPE für mich zum bestimmt zehnten Mal. Was soll ich da noch schreiben?! Vom neuen Album wurde einfach gar nichts gespielt, dafür aber umso mehr aus alten Zeit der „Musik für Arschlöcher“ und den Singles davor. Habe ich mich schon tot dran gehört. Allerdings sollten die alten Songs auch mal raus gestrichen werden, wenn sie sich überlebt haben. Z.B. „Der Rhein ist tot“. Die Kelly Family gewinnt doch heute nicht mal mehr ne Grand Prix Vorausscheidung in Deutschland. Da kannste doch keinen mehr hinterm Ofen für herlocken. DIE TOTEN HOSEN spielen doch auch nicht mehr „Disco in Moskau“ oder „Schwarzwaldklinik“. Headliner für die Fat Stage waren dann SICK OF IT ALL, die schon wieder in Deutschland auf der Matte stehen. Auch hier wusste man schon vorher, worauf man sich einlässt. Geil war der Doppel Circle Pit vorne und im mittleren Bereich der Barrieren. „My Life“. Die Power Show der drei Frontleute sucht natürlich noch immer seines gleiches. Die Songsauswahl war die übliche Best Of Soße. Ultra Headliner auf der Mainstage und gleichzeitiger Höhepunkt des von der Diebels Brauerei gesponserte Festival waren ohne Zweifel die von Diebels gesponserten TOTEN HOSEN. Wer die Musik bestellt, der bezahlt sie auch. Beginnend mit dem Hattrick „Auswärtsspiel“, „Liebesspieler“ und „Du lebst nur einmal“ ging es dann quer durch die Songs der 90er plus „Hier kommt Alex“. Übliche Ansagen, übliche Präsentation. Ich habe die dieses Jahr schon 15 Mal gesehen oder so, und da ich auch noch zum Loreley Festival fahre, auch noch längst nicht zum letzten Mal. Der Freitag war nicht so toll und am Samstagabend hat mir eine der fünf großen Punkbands gefehlt, die auf der Mainstage spielen könnten. Dann wäre mit Sicherheit auch auf der Fat Stage mehr gegangen. Ansonsten hat das alles schon schön geklappt. (markus m.)