Bizarre Festival
17.08. - 19.08.01, Weeze
Okay, das Bizarre fand dieses Jahr zum
mittlerweile 15. Mal statt, vom 17. bis zum 19. August, wie das Jahr zuvor am Flughafen Niederrhein bei Weeze. Zwar war das Line Up diesmal nicht so gut wie das vorangegangene Jahr, aber trotzdem hiess es sowohl für Nico als auch für mich nichts wie hin. Wie Nico schon angekündigt hatte, für die Hälfte von uns nur dank VIP-Gästeliste. Die Hälfte war der Nico, der nicht zahlen wollte (für die drei Tage inclusive Camping 150 DM), ich hingegen hatte eine ordentliche Karte für Otto Normalverbraucher gekauft um dann vor Ort zu merken, dass ich auch auf dieser Gästeliste stand, aber da war das Geld schon hin. Naja, war auch egal.
Also, kommen wir zum traditionellen Anfahrtsweg. Da habe ich, liebe Freunde, eine Sensation zu verkünden : kein Stau ! Ganz recht, es gibt keine Gründe sich über die Hinfahrt zu beschweren. So kamen wir Drei aus dem Süden (Matt und Alex W. sowie der Schreiber dieser Worte) Donnerstag nachmittags an, hatten genügend Zeit uns auf dem sich langsam füllenden Campingplatz einzurichten und uns dann bis zum Schlafengehen zu langweilen, denn am Donnerstag ging einfach nichts. Aber an dieser Stelle noch ein Lob an die Organisation. Musste man letztes Jahr vom geparkten Auto die Sachen 30 Minuten bus zum Zelt schleppen, war dieses Mal der Parkplatz viel sinnvoller angelegt und man war in 10 Minuten am Ziel. Das ist doch schon mal was !
Nun gut, kommen wir zum Freitag. Da ging es um 14 Uhr auf der Hauptbühne mit NELLY FURTADO los, das Mädel hat anscheinend momentan einen Song im Airplay, aber es gab nichts als langweiligen Reggae-Pop. später mittags war dann TRICKY einiermassen interessant. Einigermassen deshalb, weil es doch tricky ist, sich die Liveversion zu geben. Man bekam fast nur die langsamen Stücke zu hören, es war zwar manchmal lustig, aber ansonsten doch eher Durchschnitt. Ganz anders die nächste Band. Auf die MANIC STREET PREACHERS haben sich sowohl der Nico als auch ich gefreut. Der Chef kam dann auch kurz vor ihrem Auftritt an. Eine grundsolide Vorstellung der
Waliser Herren, hat mir gefallen. Und Songs wie "Tsunami" oder der Abschluss "If You Tollerate This Then Your Children Will Be Next" können einfach alles. Weniger lustig war es dann hinterher zu hören, dass die Band eigentlich null Bock auf das Bizarre hatte, genervt war und nur heimwollte, weil es den armen Stars zu anstrengend war nachmittags in der Sonne zu spielen und schwitzen zu müssen. Aber das ändert auch nichts an der durchaus guten Leistung. Bei der nächsten Band suchte ich dann doch lieber das Weite, es war nämlich Zeit für die GUANO APES, und mit denen kann man mich
mittlerweile jagen. Das, was die da so von sich geben, ist doch nur noch peinlich. Ich fand seinerzeit zwar ihre ersten zwei Singles lustig, und auch das "Big In Japan"-Cover war nicht schlecht, aber sich 70 Minuten lang diese Band zu geben musste doch nicht sein. Im VIP-Bereich traf ich dann auch auf den Nico, der genau wie ich das Weite gesucht hatte. Aber an diesem Abend sollte es dann um 21.50 noch mal so richtig spannend werden. Denn die FOO FIGHTERS gaben ihr einziges Deutschlangkonzert. Letztes Jahr beim Bizarre einer der Höhepunkte, und auch diesmal waren die FOO FIGHTERS im Nachhinein der coolste Act der Bizarre. Dave Grohl und Co. waren genauso happy, denn für sie war es auch der erste Headliner bei einem Festival. Letztes Jahr hatte sich Mr Grohl ja nicht sonderlich viele Mühen gegeben gut zu singen, sondern lieber 16 kg Kaugummi verbraucht, dieses Mal stimmte alles. Eine wirklich gute Show, der Sound war perfekt (auf dieses Thema werde ich noch zurückkommen), die Songs gut zusammengestellt, alle Singles von der ersten an und zudem die besten Songs der drei Alben dazu. FOO FIGHTERS, da sag ich nicht nein dazu. Wie übrigens fast niemand beim Bizarre, denn es war richtig voll vor der Haupbühne. Schöner Abschluss für einen ersten Tag.
Ach ja, es haben noch gespielt auf der Hauptbühne FEEDER, JJ72 und die SPOOKS, aber bis auf die spookigen Hiphoper waren die anderen keinen Blick wert. Auf der 2nd Stage gab es diesen Tag Electronic Beats pur, hat mich nichts gereizt, die einzigen hervorstehenden Namen waren BASEMENT JAXX und MOUSE ON MARS, aber das Zeug muss nicht sein.
Ach ja, falls sich jemand fragt, was es im VIP-Bereich gab, da konnten wir Getränke günstiger kriegen, die Dixies waren genauso in
Mitleidenschaft gezogen wie draussen.
Zum Samstag. Diesmal ging es schon um 12 Uhr los. Wir dachten uns STAIND würden interessant werden. Die Band ist ganz gross in Amiland und soll eine Revolution in der Nu Metal-Ecke sein. Was es dann zu hören gab war eine absolut langweilige Mischung aus einer schlechten DEFTONES-Coverband und CREED. Und bekanntlich ist alles Scheisse
was nach CREED klingt. Da waren die zwei Nummern vorher aufgetretenen BOY HITS CAR um einiges besser, die fand ich sogar richtig gut. Die Jungs aus L.A. klingen ähnlich wie INCUBUS, war eine gute Show, die Songs sind nicht schlecht, hat alles nicht viel mit diesem Nu Metal-Kram zu tun. Nach den enttäuschenden STAIND gab es dannw as richtig cooles, BS 2000. Hinter dem Namen verbirgt sich das neue Projekt von BEASTIE BOYS' Ad-Rock. Die vier speielen mit alten 60ern Orgel-Sounds rum, drei Keyboarder und ein Drummer, dazu schreieb Ad-Rock und ein anderer rum. Ziemlich witzig das Ganze, die CD muss ich mir mal besorgen. Dürfte für alle B-BOYS-Fans gut sein und war genau das Richtige um die STAIND-Dunkelmänner und ihre böse Depri-Stimmung loszuwerden. Im Anschluss daran APOCALYPTICA, ich zog es aber vor unser Zelt zu besuchen, damit es ihm nicht langweilig wird. Danach hatte ich die Möglichkeit GREEN DAY zum ersten mal zu sehen. Ja, kein Scheiss, ich hab sie bisher immer verpasst. Also, eigentlich fand ich den Auftritt ziemlich gut, es gab alles was ich hören wollte, der Sound war gut. Es war so richtig voll. Aber es gab auch zwei Sachen, die mich gewaltig gestört haben. Während des Auftittes muss es vor der Bühne ganz schön heftig zugegangen sein, denn ich stand neben dem Sanitätsstützpunkt und hab einige blutige Köpfe gesehen, und das sah nicht nach einfachen Kratzern aus. Als dann jemand vom Veranstalter während des Auftritts die Leute zu etwas Ruhe ermahnen wollte, brachen GREEN DAY diese Durchsage ab und spielten weiter, nicht ohne ein Fuck You an den Typen. Das musste wohl nicht sein. Genausowenig wie am Ende das Zerlegen des ganzen Sets. Bis auf Billy Joes Gitarre und Verstärker war alles hin, das ganze Drumset, der Bass und die Bassverstärker. Kommt davon wenn man auf einmal Rockstar ist und nicht weiss was man mit seinem Geld anfangen soll.
Wie dem auch sei die anschliessenden QUEENS OF THE STONE AGE durfte ich schon bei Southside erleiden, also hiess es nichts wie weg, den ein zweites Mal hätte ich die nicht ertragen. Gut, dass gerade zu der Zeit 5 STERNE DELUXE auf der zweiten Bühne waren. Die Hamburger sind immer noch in meinem Augen die Nummer eins des deutschen HipHop, das Zeug kann ich mir geben. Später dann waren NEW MODEL ARMY auf der Hauptbühne, und die alten Herren wollte ich mir auch mal geben. War gar nicht mal so schlecht, die sind abgegangen. Ganz im Gegensatz zu den im Anschluss spielenden STONE TEMPLE PILOTS. Deren Auftritt bestand aus lauter langweiligen Alternative-Post-Grunge-Songs, die einschläfernd waren. Das musste wirklich nicht sein. Den Abschluss dieses Tages bildeten dann um 23 Uhr PRODIGY, die beim Bizarre ebenfalls ein Exclusiv-Konzert bestritten, das Einzige 2001. Ich hab die früher ziemlich cool gefunden und war wirklich froh die Jungle-Helden aus England mal live zu sehen. Die Leude auf der Bühne lieferten auch ein perfektes Set, das einzige Problem, das ein gewaltiges war, war der Affe am Mischpult. Der hat den Sound über 75 Minuten nicht hingekriegt, der Bass war entweder zu heftig oder gar nicht zu hören, die Vocals waren zu leise oder die Höhen übersteuert, es war einfach schrecklich. Sonst wäre das wohl eine sehr gute Show geworden, aber so war es teilweise nur noch traurig.
Was es an diesem Tag sonst noch gab : auf dem Hauptbühne PSYCHOPATH und BLACKMAIL, auf der 2nd Stage unter anderem UNCLE HO, SUB7EVEN, SPORTFREUNDE STILLER, BLUMFELD und THOMAS D , aber das hat mich
alles gar nicht gereizt, weiterhin ein Haufen VISIONS-Nachwuchsbands auf der Session-Bühne, und bei der After Show Party Bands wie INN. NOISE CONSPIRACY, ASH, THUMB und um 2 Uhr früh die BACKYARD BABIES. Die hätte ich mir vielleicht gerne angetan, war aber doch viel zu spät.
Ach ja, es gab an diesem Tag nochwas. Nicos Wagen ist beim Versuch um 21 Uhr kurz zur Tanke zu fahren verreckt, so dass er nach stundenlangem Warten so gegen 1 Uhr einein Ersatzwagen vom ADAC hatte und dann wohl genervt heimgefahren ist. Das ist auch nicht gerade das, was die Laune hebt.
Kommen wir zum Abschluss am Sonntag. Dieser Tag stand eindeutig im Zeichen der Fat Stage für uns. Da gab es um 12:30 DANKO JONES, und die Kanadier haben mich wirklich positiv überrascht. Das, was ich bisher von ihnen kannte, hat mich nicht gerade umgehauen, aber die scheinen wirklich gute Songs zu haben. Schöner PunkRock. Danach dann die TURBO A.C.'s aus NYC. War richitg cool die rockenden Herren endlich mal zu sehen. Die haben ne verdammt gute Show gespielt und einige Leute gezogen. Im Anschluss daran dann UNDECLINABLE aus Holland. Die hatten früher noch ein AMBUSCADE hinten dran, die Namensänderung ist aber das einzig Interessante bei der Band. Sind bei Epitaph, und der Bonus ist wohl der einzige Grund, das man sie kennt. Weiter ging es dann mit den HEIDEROOSJES, die die holländische Flagge weiter hochhielten. Im Gegensatz zu ihren Corgängern waren sie aber richtig gut. Eine gute Live-Show, die Menge ging ab und die Jungs machten sich über alle Vorurteile zwischen Holländern und Deutschen lustig. Da die eigentlich im Anschluss daran geplanten ATARIS ausfielen wegen Krankheit (ich hätte sie eigentlich gerne gesehen), bekamen die HEIDEROOSJES dann 25 Minuten mehr Spielzeit, und das hat Band und Publikum gleichermassen gefreut. Dann endlich war mein Höhepunkt für dieses Wochenende. Ich habe die VANDALS gesehen ! Die fand ich schon immer cool und hatte die letzten Jahre dank erfolgreichen Meidens Deutschlands keine Chance sie zu sehen. Sie alten Herren aus Kalifornien spielten eine verdammt gute Show, man merkte ihnen an, dass sie Spass hatten dabei. Krönender Abschluss wieder mal Warren Fitzgerald's "I Have A Date", bei dem er sich austoben konnte und am Ende nackt auf der Bühne rumgehüpft ist. Sehr cooler Auftritt. Danach dann die Jungs von IGNITE, die diesem Sommer auf jedem Festival in
Europa zu finden sind. Ein guter Auftritt, coole Songs, eine Menge, die richtig abging und eine Drohung vom Veranstalter das Gig abzubrechen, wenn die Band weiterhin das Publikum zum Circle Pit aufruft. Aber die Leute haben sich besser verhalten als GREEN DAY am Tag davor. So manche Leute haben Probleme mit dieser Band, aber musikalisch hat die Band nachwievor eine Menge zu bieten.
Die jetzt spielenden MAD CADDIES und BEATSTEAKS fielen den letzten Vorbereitungen zum Aufbruch zum Opfer. Als nächstes gab es dann die DONOTS, die auch fester Bestandteil des Festival-Sommers sind. Die Jungs überzeugen mich jedes mal wieder durch ihre gute Laune auf der Bühne und legten ein cooles Set vor, das die Zuschauer
richtig mitreissen konnte.
Danach haben wir uns die letzten Töne der gleichzeitig spielenden PAPA ROACH gegeben und auf den Abschluss durch die ÄRZTE gewartet. Eigentlich war Alex der einzige, der sich die Berliner anschauen wollte, aber die Hälfte der Show, die wir gesehen haben war ziemlich lustig. Die drei quatschen auf der Bühne mehr Unsinn als sie Songs spielen und leider hab ich meinen Favoriten "Mein Baby war bei Friseur" nicht gehört, aber auch so hat es sich gelohnt sich das halbe Set anzutun und danach gen Heimat aufzubrechen. Was aber wieder extrem Scheisse war, war der Sound. Während ich bei PRODIGY vielleicht noch etwas blicken kann, dass der Mischer damit überlastet war, verstehe ich nicht wie es der Typ geschafft hat, bei einer Gitarre, einem Bass, einem Schlagzeug und drei Vocals absoluten Mist zu produzieren. Der Mann hat während eines Refrains doch tatäschlich vier verschiedene Gesangsabmischungen hingekriegt, die alle zum kotzen waren, von extrem dumpf bis hin zu gar nicht mehr zu hören. Wie gesagt, der Sound war ein grosses Problem dieses Jahr. Auf der zweiten Bühne ist er das ständig, aber das lieg daran, dass dieser Hangar alles andere als ein geeigneter Platz für einein guten Sound ist. Ausserdem gab es dieses Jahr mehr Leute, es waren fast zu viele, sol voll war es das letzte mal nicht gewesen.Wer noch gespielt hat : LESS THAN JAKE parallel zu den ÄRZTEN, auf der Hauptbühne FEAR FACTORY, XZIBIT (!) und IGGY POP, aber da war die Fat Stage einfach um Lägen besser...
Nach drei Nächten Camping war ich dann froh in den frühen Morgenstunden des Montags wieder mal eine Dusche zu sehen und in einem richtigen Bett zu schlafen. Ich verstehe wieso der Nico keine Nacht auf dem Gelände verbracht hat, sondern immer die 80 km nach D-Town gefahren ist. Hätte ich nicht anders gemacht.
Fazit : Ein durchaus gutes Festival, wenn auch schwächer als das Vorjahr, wesentlich besseres Wetter als letztes mal, das erste Festival ohne Sonnenbrand für mich, grosse Festivals bedeuten mitnichten automatisch guten Sound, als VIP kriegt man billigere Getränke, eine Security, die wie immer aus Dumpfbacken bestand, aber sich diesmal etwas mehr zurückhalten konnte - alles in allem ein lustiges Wochenende, ich bin nächstes Jahr auf jeden fall wieder dabei !
Ach ja, unser Plan auf die Hälfte von ÄRZTE-Set zu verzichten um problemlos wegzukommen ist voll aufgegangen : Null Stau auch auf der Rückfahrt, und ich konnte schon mal schön schlafen. (zolly)