Beatsteaks & River City High
11.04.02, Köln - Live Music Hall
Als wir in die grosse Live Music Hall einliefen, waren RIVER CITY HIGH aus den US schon mittendrin, und dabei hatte es doch noch nicht mal viertel vor neun geschlagen. Ich hab die Jungs vor kurzem schon in Bochum gesehen, dort machten sie bei wenigen Songs einen sehr langweiligen Eindruck auf mich. Nun aber, mit fettestem Sound im Hintergrund, gefielen RCH wirklich gut. Schöner Punkrock, der zwar nicht allzu hart, dafür aber auf den Punkt gespielt wurde. Irgendwie passen RCH nicht zu wirklich zu Defiance Records, denn mit Emocore hat man nichts am Hut. Apropos Hut. Der Gitarrist hatte 'nen Cowboy-Hut auf. Nach einer längeren Umbaupause, die mit sehr schöner Reggae-Musik unterlegt wurde, begannen dann die BEATSTEAKS ihr Set. Zu fast 70% gab es Stücke des neuen Albums "Living Targets", und auch sonst hat sich die Band im Gegensatz zu früheren Auftritten doch erheblich verändert. Wie der "neue" Sound der LP schon andeutet, will man nun erwachsen werden. Das fängt bei der Mucke an, geht über die fast einheitliche Kleidung auf der Bühne (Krawatten, Nadelstreifen-Hemd usw.), bis zu den Eintrittspreisen - hier ist es längst vorbei mit Kiddie-Skatepunk-Rumgehampel. Wenn ältere Songs gespielt werden, dann teilweise in etwas sleazigen Versionen, bei denen Sänger Arnim nicht wie früher von einem Bühnenende zum anderen tobt, sondern lieber lässig die dritte Gitarre bedient. Die Einlage mit "auf dem Gitarren-Koffer surfen" haben sie dennoch beibehalten, nun ja, die erste Reihe wird es ihnen danken. Die gesamte BEATSTEAKS-Show wirkte sehr konzeptioniert, neben dezenter Projektion des Bandlogos wurde zur Zugabe der Schriftzug "Disconnected" an die Bühnenwand projeziert, das gleichnamige Lied wird viele Leute vor den Kopf stossen, kling es doch nach DEPECHE MODE und nicht nach PENNYWISE. Als Cover-Versionen durften alte Kracher von THE CLASH und NIRVANA auch nicht fehlen. Letztendlich muss ich sagen, dass es seit langem mal wieder eine überzeugende BEATSTEAKS-Show war, in Düsseldorf (als Support von BR) und letztes Jahr in Münster konnten mich die live-erprobten Berliner kaum umhauen. Es hat sich einiges verändert, und auch wenn man live ganz deutlich an früherem Druck verloren hat, ist es eine Show gewesen, die im Moment gut tut und besonders danach zu dem reift, was man "Klasse" nennt. Kein Punkrock, aber grosses deutsches Rock'n'Roll-Kino. Viele der 500 Leute sahen das ähnlich. (nico)